Diese Webseite benutzt Cookies, um einige Funktionen anzubieten, anonyme Nutzungsstatistiken zu erstellen und Werbung anzuzeigen.
Das Online-Magazin
Dienstleistungen

Europas größtes Villenviertel: Das Briller Viertel

Ein Rückblick in die Historie zeigt, dass das Briller Viertel bei seiner Entwicklung zu den größten zusammenhängenden Villenvierteln in Europa zählte. Immobilienmakler Thomas Kramer merkt dazu an: „Wenn man die Lage einer Immobilie bewerten möchte, zählt auch die Geschichte des Standortes zu den wichtigen Faktoren. Vor allem in Wuppertal lohnt der Blick in die Historie“. Das Briller Viertel vermittelt einen Eindruck von der Zeit, in der die Bergische Metropole als eine der weltweit bedeutendsten Industriezentren galt.
 
Artikel vom 27.05.2019

Europas größtes Villenviertel: <strong>Das Briller Viertel</strong>
Europas größtes Villenviertel: <strong>Das Briller Viertel</strong>
Europas größtes Villenviertel: <strong>Das Briller Viertel</strong>
Europas größtes Villenviertel: <strong>Das Briller Viertel</strong>
Europas größtes Villenviertel: <strong>Das Briller Viertel</strong>
1

Die Entstehung am Briller Bach

Die Entstehung am Briller Bach

Viele Villen im Briller Viertel sind in große, parkähnliche Gärten eingebunden. Eine Reminiszenz an die Vergangenheit als Naherholungsgebiet.

Auf den Nordhöhen, die das Tal der Wupper begrenzen, entspringt ein Bach, der sich über mehrere Kilometer hinweg bis in das Tal der Wupper schlängelt. An seinem unteren Mündungsbereich entstand ein sumpfiger Bereich, der mundartlich mit „Brill“ bezeichnet wurde. „Der Bach ist heute nicht mehr sichtbar. Er ist kanalisiert und macht sich nur noch bei starkem Regen dadurch bemerkbar, dass er den einen oder anderen Keller in seiner Nachbarschaft überflutet“, weiß Immobilienspezialist Thomas Kramer und empfiehlt bei Interesse an einer Immobilie im Briller Viertel auch auf dieses Detail zu achten. Die für den Handel bedeutsame Landstraße nach Düsseldorf, die über den Nützenberg verlief, durchquerte dieses Areal und es hatte sich eine Fuhrmannskneipe etabliert, die als „Schinkenbrill“ bekannt wurde. „Die Anfänge der bereits 1805 gegründeten Schützengesellschaft am Brill sind in dieser Kneipe zu lokalisieren“, führt Thomas Kramer aus. Und die Schützengesellschaft am Brill sollte bei der Entwicklung des Briller Viertels noch ein entscheidende Rolle spielen.
 

Wohnen an der frischen Luft

Wohnen an der frischen Luft

Bis heute sind die Villen, die um die Wende zum 20. Jahrhundert erbaut wurden, wirklich eindrucksvoll.

Wuppertal galt als Zentrum der textilverarbeiteten Industrie. Die Mehrzahl der Unternehmen war am Ufer der Wupper angesiedelt und im direkten Umfeld der kleinen Betriebe hatten auch Fabrikanten ihre meist schon sehr komfortablen Wohnhäuser gebaut. Mit dem zunehmenden wirtschaftlichen Erfolg und mit einer spürbaren Verschlechterung der Luftqualität am Ufer der Wupper sehnten sich die Großbürger nach neuer Lebensqualität in direkter Nähe zu den waldreichen Naherholungsgebieten. Peter de Weerth, einer der reichsten Kaufleute Elberfelds,  war einer der Ersten, der das Briller Viertel entdeckte. Bis heute zeugt der Deweerthsche Garten von diesem Entdeckergeist. Er gestaltete einen privaten Lustgarten, der direkt an die nach Neviges führende Chaussee, heute die Briller Straße, anschloss. „Nach und nach schlossen sich immer mehr Elberfelder Kaufleute und Fabrikanten diesem Vorbild an: Die frische Luft lockte, die Abgase vom nahegelegenen Bayer-Werk wurden durch den Bergvorsprung vom Briller Viertel ferngehalten und man wohnte doch nahe genug an den eigenen Fabriken, um immer nach dem Rechten sehen zu können“, fasst Thomas Kramer die damaligen Vorzüge des Briller Viertels zusammen. „So entschlossen sich nach und nach immer mehr Familien, auf der gegenüberliegenden Seite der Briller Straße ein eigenes Anwesen zu errichten. Es entstand den Berg hinauf nach und nach das größte Villenviertel Europas der damaligen Zeit – und ganz sicher auch eines der mondänsten Viertel Europas.“

Stadtentwicklung nach Gutsherren-Art

Stadtentwicklung nach Gutsherren-Art

Der Bezug zum Bergischen Land mit seinen Fachwerkfassaden durfte bei vielen Villen der Gründerzeit nicht fehlen.

Eine entscheidende Rolle bei der städtebaulichen Entwicklung des Briller Viertels spielte der Familienclan Platzhoff/Wolff. Den beiden Familien gehörten große Teile der Liegenschaften rund um das Bauerngehöft Ottenbruch und sie kauften frühzeitig weitere Ländereien hinzu. Selbstverständlich waren die beiden Familienchefs aktive Mitglieder in der Schützengesellschaft am Brill. „So kam es, dass ab den 1850er Jahren die Mitgliederliste der Schützengesellschaft wie das Who is Who der deutschen Textilindustrie zu lesen ist. Denn beim geselligen Zusammensein am Sonntag ergab sich regelmäßig die Möglichkeit über Grundstücke und Bauvorhaben im Briller Viertel zu sprechen. Man war unter sich und konnte neuen Interessenten auf den Zahn fühlen. Wer schließlich von den Honoratioren der Schützengesellschaft als akzeptabler neuer Nachbar angesehen wurde, konnte im direkten Gespräch mit Gustav Platzhoff oder Gustav Wolff auf den Verkauf eines Grundstücks in der Gemarkung Am Brill hoffen.“ Die Familie Frowein war ebenso am Brill ansässig wie die Familie Friedrich Bayer oder die Familie Carl Duisberg. „Es gab sogar Villen und Schlösser, die heut nicht mehr zu finden sind. Wie zum Beispiel das verschwundene Schloss des Bankiers Gustav Hueck, das um 1890 an der Viktoriastraße gebaut und später abgerissen wurde. Beeindruckende Einblicke in die Historie dieser Villen gibt das Buch ‚Heinrich Metzendorf und seine Villen im Rheinland’ von Hermann J. Mahlberg und Hella Nussbaum.“
 

Die berühmtesten Architekten Deutschlands

Die berühmtesten Architekten Deutschlands

Auch die moderne Bebauung greift formale Elemente der klassischen Villenarchitektur auf.

„Die bis heute ungebremste Nachfrage nach Immobilien im Briller Viertel liegt auch an dem architektonisch ausgesprochen hohen Standard der alten Villen“, fasst Thomas Kramer zusammen. Der Reichtum der damals blühenden Industriemetropole versetzte die Bürger in die Lage, sehr opulente Wohnsitze zu errichten und sich bei der Planung von den besten Architekten Deutschlands unterstützen zu lassen. „Es lassen sich viele Beispiele finden, bei denen die sehr reichen Fabrikanten von einem von ihnen bevorzugten Architekten direkt mehrere Villen bauen ließen. Eine im Briller Viertel und eine in einer Hamburger Villengegend. Oder ein weiteres Anwesen in Bad Godesberg. Diese Beispiele zeigen, welchen Stellenwert das Briller Viertel zu seiner Entstehungszeit im Deutschen Reiche hatte.“ Dabei gewann neben der Neorenaissance und dem Neobarock schnell ein typisch bergischer Baustil die Oberhand. „Es wurden viele schlossähnliche Villen gebaut, die in den oberen Etagen über die für das Bergische Land typische Fachwerkkonstruktion verfügen. Es wurden gerne auch Holzschlagläden installiert, um den Bezug zur Region zu verstärken“, weiß Thomas Kramer. Für ihn als Immobilienmakler ist das Briller Viertel ein wichtiges Areal. „Das Briller Viertel atmet bis heute die Epoche seiner Gründung. Gleichzeitig bleibt die Topografie des Gebietes mit seiner direkten Anbindung an die Elberfelder Innenstadt hoch attraktiv. Die Mischung alter, hochherrschaftlicher Villen mit Bebauung jüngeren Datums macht den besonderen Charme aus. Und man kann erahnen, welche herausgehobene Rolle die Stadt Elberfeld um die Jahrhundertwende gespielt hat.“