Verkaufsleiter der Gottfried Schultz-Gruppe zur aktuellen Situation im Automobilmarkt

Verkaufsleiter der Gottfried Schultz-Gruppe zur aktuellen Situation im Automobilmarkt



„Finanzielle Anreize schaffen ein neues Verkaufsklima“


Mit den Verkaufsleitern Uros Vozlic vom Audi Zentrum Wuppertal, Marvin Jenzowski vom VW Zentrum Wuppertal und Julia Cofala, die die Marke Skoda vertritt, kam ein echtes Experten-Team zum INCENTO-Gespräch zusammen. Wichtiges Thema: Die Auswirkungen der neuen Dienstwagenbesteuerung auf den Neuwagenmarkt.

INCENTO: Welche Rolle spielen beim Absatz von Neufahrzeugen die Gewerbekunden?
Uros Vozlic: Die Gewerbekunden spielen beim Neuwagenverkauf eine herausragende Rolle – ich glaube, das kann ich für die Marken Audi, VW und Skoda in dieser Runde übereinstimmend feststellen. Diese herausgehobene Rolle hat vor allem damit zu tun, dass die Mehrzahl der Arbeitgeber ihren Mitarbeitern ein Firmenfahrzeug stellt. In der Regel für die berufliche und die private Nutzung. Insofern reicht die Rolle der Firmen- oder Gewerbekunden beim Kauf von Neuwagen bis weit in den Privatmarkt hinein. Ohne diese hohe Zahl von Firmenfahrzeugen würde sich jede Automarke in Deutschland sehr schwertun.
Marvin Jenzowski: Von den Mitarbeitern werden diese Firmenfahrzeuge, die auch für die private Nutzung zur Verfügung stehen, als ein ergänzender Bestandteil ihres Gehaltes verstanden und spielen so im gesamten Gehaltsgefüge eine wichtige Rolle. Vor allem in Zeiten, in denen Unternehmen händeringend nach qualifizierten Mitarbeitern suchen, gewinnen diese zusätzlichen Elemente der Entlohnung auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten an Bedeutung. Ein Firmenwagen zeigt in gewisser Weise die Stellung und Wertschätzung im Unternehmen an.
Julia Cofala: Und insofern sind Neuregelungen, die die Besteuerung der Dienstwagen betreffen von erheblicher Bedeutung. Die neue Bundesregierung hat nun beschlossen, die Dienstwagenbesteuerung von Elektrofahrzeugen bis zu einem Listenpreis von Euro 100.000,00 auf 0,25 Prozent zu reduzieren. Diese neue Regelung wird sich als ein Verkaufs-Booster für Elektrofahrzeuge erweisen.
INCENTO: Wie sieht denn die Relation zur Dienstwagenbesteuerung bei Fahrzeugen mit Verbrenner-Motor aus?

Uros Vozlic: Bei den Verbrennern bleibt die Besteuerung bei 1,0 Prozent des Listenpreises. Wenn man sich den Unterschied einmal in Zahlen ansieht, wird der Vorteil, den die Elektrofahrzeuge genießen, schnell deutlich: Bei einem beispielhaften Listenpreis von Euro 70.000,00 muss der Kunde mit Verbrenner-Fahrzeug im Monat Euro 700,00 für die private Nutzung versteuern. Bei einem E-Fahrzeug entsteht eine Steuerlast von lediglich Euro 175,00 im Monat. Das ist, bezogen auf ein entsprechendes Gehalt, schon ein signifikanter Unterschied.

E-Mobilität im Aufschwung

Marvin Jenzowski: Und diese Optionen für eine reduzierte Dienstwagenbesteuerung sind jetzt auch wieder für Plug-In Hybridfahrzeuge aufgenommen worden. Hier beträgt bei allen Fahrzeugen, die mindestens 80 Kilometer rein elektrisch fahren können oder höchstens 50 Gramm CO2-Emissionen pro Kilometer aufweisen, der Steuersatz lediglich 0,5 Prozent des Listenpreises. Also eine höhere Steuer als bei reinen E-Fahrzeugen, aber halbierter Steuersatz gegenüber Verbrenner-Motoren.
INCENTO: Wird das denn den Trend in Richtung E-Mobilität spürbar verstärken?
Juiia Cofala: Die Erfahrung zeigt, dass finanzielle Anreize im Automobilhandel immer noch ein sehr wirksames Mittel sind, um Käufer von bestimmten Angeboten zu überzeugen. Man denke bloß an die Abwrackprämie oder ähnliche Anreize, die vom Staat in der Vergangenheit gesetzt wurden. Das hat eigentlich immer die Verkaufszahlen massiv beeinflusst. Zumal viele Argumente, die bisher gegen ein E-Fahrzeug sprachen, heute nicht mehr unbedingt stechen. Zum Beispiel ist die Ladeinfrastruktur erheblich ausgebaut worden. Ich kann da wohl auch für alle Kollegen hier sprechen: Meine Erfahrung ist, dass man heute mit einem E-Fahrzeug problemlos auch größere Strecken absolvieren kann.
Marvin Jenzowski: Dem kann ich nur zustimmen. Vor allem die Schnelllade-Systeme haben viel gebracht und hier geht die Entwicklung ja immer weiter. Wenn es auch noch gelingen würde, einheitliche Tarife bei der Abrechnung von Ladevorgängen zu gewährleisten, wäre ein weiteres Problem aus der Welt geschafft.

Die späten Leben der E-Autos

INCENTO: Bei den Fahrzeugen mit Verbrenner-Motoren spricht man in der Branche ja gerne vom zweiten oder dritten Leben. Wie verhält sich das bei den Elektro-Fahrzeugen?
Uros Vozlic: Diese Fragestellung beschäftigt unsere Branche gerade intensiv. Bei den Verbrenner-Fahrzeugen gibt es sehr gut strukturierte Vermarktungswege, mit denen ein Fahrzeug vom Erstbesitzer bis zur letzten Nutzung, häufig in afrikanischen Ländern, begleitet wird. Diese Erfahrungen sind bei den Elektro-Fahrzeugen natürlich noch nicht so ausgeprägt und es wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen, ob die Annahmen zur weiteren Vermarktung, mit denen ja auch immer die Leasingangebote bei uns hinterlegt sind, vom Markt so bestätigt werden. Also ein gewisses Risiko, das aber in erster Linie die Hersteller und den Autohandel betreffen. Der Kunde, der ein Elektrofahrzeug als Geschäftswagen nutzen und die günstige Dienstwagenbesteuerung in Anspruch nehmen möchte, ist von diesen Fragen bei einem Firmen-Leasing im Grunde nicht betroffen.
Marvin Jenzowski: Aber wir werden natürlich schon bald die ersten Elektro-Fahrzeuge in unseren Gebrauchtwagen-Ausstellungen hier am Uellendahl sehen. Dann wird sich über die Zeit auch erweisen, welchen Marktwert gebrauchte Elektro-Fahrzeuge haben werden. Vielleicht werden sich Angebote etablieren, bei denen neue Akku-Systeme in die gebrauchten Fahrzeuge eingebaut werden können.


Ein Blick in die Zukunft

INCENTO: Wie sehen Sie die Zukunft des Automobilhandels?
Julia Cofala: Für mich bleibt vor allem der Wunsch des Kunden das leitende Motiv in der Beratung. Es ist nicht unsere Aufgabe ein besonderes Modell oder eine besondere Antriebsart in den Vordergrund zu stellen. Natürlich beraten wir unsere Kunden mit allen Details, die wir über die Modelle unserer Markenwelten wissen. Aber die Entscheidung welches Fahrzeug ein Kunde fahren möchte, bleibt einzig und allein bei ihm.
Uros Vozlic: Das sehe ich genauso. Auch wenn man feststellen muss, dass die Elektromobilität in den letzten Jahren erheblich an Alltagstauglichkeit gewonnen hat und die internationalen Märkte sich ganz ohne Zweifel stark in diese Richtung bewegen, sollte jeder Autofahrer selbst entscheiden, welches Fahrzeug er in den kommenden Jahren fahren möchte.


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